Bildbearbeitung? Braucht man das?

 

Immer wieder mal höre oder lese ich Meinungen wie „mir gefällt es nicht, wenn Fotos bearbeitet sind“ oder „ich mag lieber Fotos, die natürlich aussehen„. Unter den Fotografen gibt es tatsächlich auch eine „out-of-cam“-Fraktion, die anscheinend jegliche Bildbearbeitung ablehnt und häufig der Meinung ist, wenn das Bild nur gut genug fotografiert wurde, braucht es keine Bildbearbeitung. Es gibt sogar einige Hochzeitsfotografen, die noch so arbeiten.

 

Ist das wirklich so? Ist Bildbearbeitung schädlich für ein schönes Foto? Verändert es ein Motiv so sehr, wenn das Foto bearbeitet wird? Und sind Fotografen, die nicht „out-of-cam“ arbeiten, die schlechteren Fotografen?

 

JPG versus RAW

 

Wart Ihr schon einmal in einem Elektrofachmarkt und habt aktuelle Smartphones miteinander verglichen? Und dann kamt Ihr zu der Meinung, dass das neue iPhone, Huawei, Samsung, was auch immer die schönsten Fotos macht? Weil die Kameras darin so gut sind? Was ist, wenn ich Euch sage, dass sich die Sensorgrößen der Smartphone-Kameras bis auf wenige Ausnahmen nicht nennenswert voneinander unterscheiden?

 

Worin sie sich aber teilweise stark voneinander unterscheiden, ist sie softwareseitige Bearbeitung der Fotos. Richtig gelesen: Die Fotos, die Ihr auf dem Smartphone macht, sind von Eurem Smartphone nach Vorgaben der Hersteller bereits bearbeitet. In der Regel entstehen so komprimierte JPG-Dateien, die nicht besonders speicherintensiv sind. Wenn nun beispielsweise die Farben eines Fotos auf einem aktuellen Samsung-Smartphone „schön kräftig“ und auf einem iPhone dafür „natürlicher“ aussehen, so liegt das eben nicht an den Kameras, sondern an der Software. Die Wahrheit ist: Im Alltag sind wir es alle gewohnt, bearbeitete Fotos anzuschauen.

 

Gibt es denn auch wirklich „unbearbeitete“ Fotos? Die gibt es. Fotografen arbeiten oft nicht mit JPG, sondern sogenannten RAW-Dateien. Hier wird ein Foto tatsächlich ohne jegliche Bearbeitung und unkomprimiert gespeichert. Der Nachteil hierbei ist, dass die Dateien sehr groß werden und das Bild aus der Kamera erstmal oft sogar schlechter aussieht wie ein JPG. Der große Vorteil von RAW-Dateien ist, dass sie für die nachfolgende Bildbearbeitung wesentlich besser geeignet sind, da hier viel mehr Bildinformationen gespeichert werden.

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Der zweite Arbeitsplatz eines Hochzeitsfotografen

Und es ist egal, ob es Hochzeitsfotos oder Landschaftsbilder sind… glaubt mir, Ihr wünscht Euch keine unbearbeiteten Fotos. 🙂

 

Welche Möglichkeiten der Bildbearbeitung gibt es denn?

 

Grundbearbeitung

 

Welche Möglichkeiten der Bildbearbeitung gibt es denn? Sicherlich kennt Ihr diverse „Filter“ aus irgendwelchen Smartphone-Apps, wo man mit wenigen Klicks ein Foto „bearbeiten“ kann. Die meisten professionellen Fotografen, die ich kenne, arbeiten so nicht.

 

Es gibt anspruchsvolle Software, mit denen die Fotos Schritt für Schritt entwickelt werden. Das ist um einiges zweitaufwendiger wie ein „Filter“, dafür kann der Fotograf die Bilder exakt so entwickeln, wie er das möchte und ist nicht auf die Beschränkungen eines Filters limitiert. Marktführer im professionellen Bereich ist Adobe Inc. mit den Programmen Lightroom und Photoshop, welche ich selbst auch nutze. Außerdem arbeite ich hin und wieder ergänzend auch noch mit Luminar von Skylum Software.

 

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Grundbearbeitung

Wenn ein Foto entwickelt, aber noch nichts am Motiv selbst verändert, entfernt oder hinzugefügt wird, spricht man in der Regel von einer Grundbearbeitung. Häufe Bearbeitungen hierbei sind:

 

  • Helligkeit anpassen
  • Bildausschnitt verändern
  • Weißabgleich anpassen
  • Kontrastwerte anpassen
  • Dynamik und Sättigung anpassen
  • Foto schärfen
  • Farben anpassen

 

Eine gute Grundbearbeitung ist essentiell für ein schönes Foto. Das bedeutet nicht, dass die Bildbearbeitung das handwerkliche Können eines Fotografen ersetzen kann. Aber beide Teile ergänzen sich und meines Erachtens benötigt man beide Fertigkeiten, wenn man wirklich anspruchsvolle Fotos produzieren will.

 Egal, ob Ihr bei mir eine Hochzeitsreportage oder ein Portrait-Shooting bucht: Alle Fotos, die Ihr von mir bekommt, erhalten eine Grundbildbearbeitung.

 

Retusche

 

In einem anderen Blogartikel Aber ich bin doch kein Model! habe ich mit Euch bereits einen Blick hinter die Kulissen von professionellen Fotoshootings geworfen und auch das Thema Retusche aufgegriffen. Wenn Ihr Euch mal gefragt habt, warum die ganzen Profimodels auf den Modezeitschriften immer makellose, perfekte Haut und Haare haben, dann liegt das nicht daran, dass sie irgendwelche geheimen Kosmetik-Tipps kennen oder über außergewöhnliche Gene verfügen. Zum einen werden diese natürlich professionell geschminkt und frisiert, zum anderen werden die ganzen Fotos aufwendig retuschiert.

 

Zur Rettung des Models in dem folgendem Bildbeispiel möchte ich erwähnen, dass ich für die Aufnahme ein spezielles Portrait-Objektiv von Zeiss verwendet habe, welches für seine außergewöhnliche Schärfe bekannt ist und das Model außerdem so gut ausgeleuchtet war, dass man quasi jede Pore erkennen kann. Auch dies ist Teil der Bildbearbeitung, vorhandene Schärfe wo sie nicht gebraucht oder gewünscht wird, stellenweise wieder etwas abzumildern (in diesem Fall die Haut weichzeichnen).

 

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Grundbearbeitung und Retusche

 Egal, welches Shooting Ihr bei mir bucht: In jedem meiner Pakete ist je nach Paketgröße neben der Grundbearbeitung zusätzlich auch immer mindestens eine aufwändige Retusche für ein Foto Eurer Wahl aus dem gesamten Shooting für Eurer ganz besonderes Highlight-Foto bereits enthalten. Und „Kleinigkeiten“ werden von mir schon in der Grundbearbeitung mit bearbeitet. Weitere Infos hierzu: Leistungen

 

Composing

 

Sobald deutliche Änderungen an einem Foto vorgenommen werden, dass Bildbestandteile stark verändert, bzw. ein Bild aus mehreren Fotos neu zusammengesetzt wird, spricht man von einem Composing. Dies kann mit einfachen Dingen beginnen, dass zum Beispiel ein Himmel ausgetauscht wird, Lichtstrahlen eingefügt werden, usw. Der Übergang von der klassischen Fotobearbeitung hin zu einem Composing ist fließend. De facto sind Fotografie und Composing aber zwei komplett unterschiedliche Tätigkeitsfelder. Es gibt einige sehr begabte Composer, die selbst wenig oder auch überhaupt nicht fotografieren. Und es gibt eine Reihe von Fotografen, die keine Composings machen.

 

Als Hochzeitsfotograf arbeite ich eher weniger an Composings. Da ich auch noch Portrait und in meiner Freizeit gelegentlich auch Landschaft und Architektur fotografiere, habe ich auch schon das ein oder andere einfache Composing gemacht, wie hier im Beispiel von der Regiswindiskirche in Lauffen am Neckar (Standort), ca. 12 km von Heilbronn entfernt.

 

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Composing

 Wenn Ihr ein Shooting bei mir bucht und ein Composing wünscht, sprecht mich vorher darauf an welche Idee Ihr habt und wir besprechen, was alles möglich ist.

 

Bildbearbeitung und persönlicher Stil

 

Alle Fotografen entwickeln im Lauf der Zeit einen persönlichen Stil. Man erkennt an ihrem Portfolio, dass sich ihre Bilder auf eine bestimmte Weise stilistisch ähneln. Das kann unter anderem daran liegen, wie er fotografiert, welche Objektive er benutzt, ob er oft zusätzliche Hilfsmittel wie Blitze und Filter nutzt und natürlich wie er seine Fotos in der Bildbearbeitung entwickelt.

 

Es gibt für die unterschiedlichen Bildbearbeitungsprogramme sogenannte Presets (oder auch Looks genannt) mit vorgefertigten Grundeinstellungen, die auf mehrere Fotos gelegt werden können und schließlich nur noch ein Finetuning erhalten. Nicht selten entwickeln Fotografen mit wachsender Erfahrung ihre eigenen Presets und/oder entwickeln diese weiter. Die meisten Presets verändern auf eine bestimmte Weise die Farb- und Kontrastwerte, spielen mit Schärfe und Unschärfe, wandeln ein Foto in schwarzweiß um oder wenden irgendwelche Effekte wie Vignetten, Körnungen, Matteffekte, usw. auf die Fotos an. Hier gibt es viele Möglichkeiten, sich künstlerisch auszutoben.

Bildbearbeitung versus out-of-cam

 

Kommen wir noch einmal zurück zur „out-of-cam“-Fotografenfraktion. Letztlich ist es eine Einstellungssache. Ich kenne Landschaftsfotografen, die nicht müde werden, stundenlang auf einem Berg auf den richtigen Sonnenuntergang zu warten, um das eine perfekte Foto zu schießen. Niemals würde für sie ein Composing in Frage kommen, „nur“ weil das Wetter nicht mitspielt. Auch kenne ich People-Fotografen der alten Schule, die lieber „natürliche“ Fotos mögen und sich weigern, auch nur einen Regler in Lightroom zu verschieben. Das hat alles seine Daseinsberechtigung, denn Fotografie ist nicht nur ein Handwerk, es ist auch auch Kunst. Und Kunst ist individuell.

 

Es gibt aber Bereiche der Fotografie, in denen eine professionelle Bildbearbeitung essentiell zur Gestaltung von Fotos beiträgt. In der People-Fotografie möchte ich diese nicht missen. Man denke nur mal an Hochzeitsreportagen, in denen der Fotograf oft nur wenige Augenblicke Zeit hat, bestimmte Motive einzufangen. Da bleibt nicht immer Zeit, die perfekte Lichtsituation und den perfekten Bildausschnitt zu wählen. Hier kann vieles in der Postproduktion verbessert werden. Hierzu kommt noch der persönliche Bildlook, der eben auch durch die Bildbearbeitung erzielt wird.

 

 

Liebe Grüße

Eurer Jörg Kaiser

 

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Jörg Kaiser

FOTOGRAF / FrecheFarben.de

Ich bin Jörg Kaiser. In meinem Blog schreibe ich rund um Themen der Fotografie, über Hochzeiten und über unterhaltsame Anekdoten aus dem Leben.

 

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